Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse- Tool Piwik. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Hinweis schliessen
 

Metanavigation - Service-Menue

Suche

A   A   A
Reden (Staatskanzlei)

Festakt „100 Jahre Deutscher Caritasverband – Landesverband Bayern e.V.“

Datum der Rede: 21. Juni 2017
Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer
Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

- Anrede -

Heute feiern wir ein großes Jubiläum. 100 Jahre Deutscher Caritasverband – Landesverband Bayern e.V. Ein Freudenfest und Anlass zu danken.

Sehr geehrter Herr Prälat Piendl,

„Caritas“ ist gelebte Menschlichkeit. Wenn wir Politiker sagen, Bayern ist etwas Besonderes, dann meinen wir diesen menschlichen Kern unserer Heimat.

Seit 2012 leiten Sie den größten Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege in Bayern. Mit rund 100.000 hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern machen Sie Tag für Tag spürbar, was Caritas, was Nächstenliebe bedeutet.

Ich danke Ihnen und Ihren Mitarbeitern für Ihren großartigen Dienst am Menschen:

  • in den fast 30 Caritas-Krankenhäusern in Bayern,
  • in über 2.000 Kindergärten und Kindertagesstätten,
  • in gut 250 Alten- und Pflegeheimen
  • und in vielen weiteren sozialen Einrichtungen und Beratungsstellen.

Die Caritas ist das menschliche und mitmenschliche Gesicht unserer Heimat. Dafür ein herzliches Vergelt’s Gott.

Verehrter Herr Prälat Piendl,

Sie sind Mitglied in zahlreichen bayerischen Expertenkommissionen. Mit Ihrem kritischen Auge und Ihrem Sachverstand bringen Sie sich aktiv in die Sozialpolitik und bei der Sozialgesetzgebung ein. Ich sage deutlich: Ich bin dankbar für die starke und unbeirrbare Stimme der Caritas bei allen sozialen Fragen. Nur im Dialog erreichen wir gemeinsam beste Ergebnisse für die Menschen. Ich denke an die landesrechtliche Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes – eine der größten Sozialreformen in der Nachkriegsgeschichte. Ich denke an den Ausbau und die Qualitätssicherung unserer Kinderbetreuung. Danke für Ihre Mitarbeit und die konstruktiven Vorschläge. Danke für eine starke bayerische Caritas!

- Anrede –

Versetzen wir uns in das Jahr 1917 – das Gründungsjahr der Caritas in Bayern. Jede Kriegseuphorie ist verflogen. Der erste Weltkrieg hat große Teile Europas in Schutt und Asche gelegt. Tausende Schwerstverletzte kehren aus den Schützengräben nach Hause zurück. Witwen und Waisen leiden unter bitterster Armut. In dieser menschlichen und sozialen Katastrophe war Hilfe gefordert. Die Caritas wurde für die Menschen zum Retter und Engel in der Not.

In den letzten hundert Jahren haben die Aktiven in der Caritas für unser soziales Bayern gearbeitet – mit Herzblut und aus tiefer christlicher Überzeugung heraus. Ihre Tätigkeit ist mehr als ein Beruf. Das ist Berufung. Sie alle schaffen mit Ihrem Einsatz die Grundlagen für unser soziales Miteinander.

Caritas und Ehrenamt gehören untrennbar zusammen. In der Caritas leben Sie bürgerschaftliches Engagement und unterstützen Menschen im Freistaat dabei, sich zu engagieren.

Fast jeder zweite Bayer opfert seine Freizeit für andere. Diese große Zahl an Freiwilligen ist unbezahlbar. Anpacken, mitmachen, für andere da sein – das zählt bei uns in Bayern. Diese innere Haltung fördert die Caritas seit ihrem Bestehen.

Mit der Caritas-Kampagne 2017 „Zusammen sind wir Heimat” erfüllen Sie diesen Heimatbegriff mit Leben. Menschen in ihrer Vielfalt, die miteinander arbeiten, gemeinsam Sport treiben und Freundschaften pflegen, Lebensfreude teilen und zusammen lachen. Dafür setzen Sie sich in der Caritas ein.

Heimat für alle – für mich ist das auch die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Für mich ist diese Teilhabe das Gütesie-gel einer Demokratie. Die Caritas baut seit Jahrzehnten Barrieren für Menschen mit Behinderung ab. Ich nenne nur die vielen Förderschulen, die Werkstätten für Menschen mit Behinderung und die zahlreichen Dienste der Behindertenhilfe. Das große Ziel heißt: Mehr Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Mehr Miteinander. Mehr Kooperation und Inklusion!

Das ist mir ein Herzensanliegen. Wir in Bayern investieren deshalb kräftig in die Barrierefreiheit. Allein von 2015 bis 2018 stehen knapp 430 Millionen Euro zur Verfügung.

Ich weiß: Es gibt noch einiges zu tun. Unsere bayerische Behindertenbeauftragte Frau Badura hat uns in der Kabinettsitzung wertvolle Anregungen gegeben. Aber wir kommen unserem Ziel „Bayern barrierefrei 2023“ immer näher.

Meine Bitte an die Caritas Bayern, an Sie alle: Begleiten Sie diesen Prozess kritisch. Legen Sie den Finger in die Wunde, wenn es irgendwo hakt. Sie sind näher an den Betroffenen, näher an der Umsetzung der Maßnahmen vor Ort. Die Staatsregierung ist dankbar für Ihre Erfahrung und fachliche Unterstützung. Auch in der konstruktiven Kritik kann sich Caritas, kann sich Nächstenliebe zeigen.

Eine große Generationenaufgabe, bei der sich die Caritas hochverdient macht, ist das Megathema Migration und Integration. Mit Hilfe der vielen haupt- und ehrenamtlichen Helfer der Caritas haben wir in Bayern die Herausforderungen der Migration in den letzten Jahren hervorragend gemeistert. Mit Ihrer Hilfe hat der Freistaat eine Visitenkarte der Mitmenschlichkeit und des Zusammenhalts abgegeben. Sie beweisen: Wer Hilfe braucht, wer aus Kriegsgebieten zu uns flüchtet und hier Schutz sucht, dem ist unsere Solidarität sicher.

Gleichzeitig stehen wir in Bayern, Deutschland und Europa vor einer gewaltigen Herausforderung – vor der Frage nach dem gelingenden Zusammenleben von Einheimischen und Migranten. Ich weiß sehr genau: Wir können diesen Kraftakt nur miteinander stemmen, Hand in Hand: Bund, Länder, Kommunen und große Nichtregierungsorganisationen wie die Caritas. Nur wenn wir unsere Kräfte bündeln, wird Bayern das Land der gelingenden Integration bleiben.

Unser bayerischer Erfolgskurs heißt: Integration durch Bildung, Arbeit, Teilhabe. Millionen Zuwanderer tragen zu unserem Wohlstand bei. Schon heute ist Bayern das Land mit der höchsten Erwerbsquote von Menschen mit Migrationshintergrund.

Für mich steht fest: Integration in die Arbeitswelt ist die beste Integration in die bayerische Lebenswelt. Seit 2015 haben wir dank unserer Initiative „Integration durch Arbeit“ zusammen mit der Bayerischen Wirtschaft fast 40.000 Flüchtlinge in Praktika, Ausbildung und Arbeit integriert. Davon haben über 30.000 eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. 30.000 Menschen mehr in Lohn und Brot – das ist gelingende soziale Integration! Kein anderes Bundesland hat Vergleichbares bei der Arbeitsmarktintegration geleistet.

Wir können mit Stolz sagen: Bei uns in Bayern gelingt Integration besser als anderswo!

Für die tausendfach erfolgreiche Integration sage ich der Caritas und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Respekt und Dank. Sie alle machen den Menschen, die zu uns kommen, ein großartiges Angebot: Sie schaffen ein Klima des Vertrauens und der Verständigung. Bayern reicht die Hand. Das ist gelebte Nächstenliebe.

Zur Nächstenliebe hat Papst Franziskus kürzlich einen bemerkenswerten Satz formuliert. Bei seinem Besuch in Kairo hat der Heilige Vater gesagt:

„Der einzige erlaubte Extremismus für Gläubige ist die Nächstenliebe.“

Dieses Wort teile ich aus tiefstem Herzen. Nächstenliebe ist immer extrem, weil sie universell gültig ist. Für einen gläubigen Katholiken kennt das Gebot „Liebe deinen Nächsten“ keine religiösen, kulturellen oder nationalen Schranken – und keine Begrenzung. Das macht ja gerade die unglaubliche christliche Botschaft von der Liebe Gottes zu uns Menschen aus.

Sehr geehrter Herr Prälat Piendl,

Sie haben 2015 in einer Rede gefordert:

„Wir brauchen eine wirklich grenzenlose Betrachtung des Mega-Trends Migration, die wahrhaft die Flucht-Ursachen anschaut, und nicht ausschließlich das Bearbeiten regional spürbarer Flucht-Auswirkungen.“

Sie sprechen mir aus der Seele. Nächstenliebe heißt für mich: den Menschen gezielt vor Ort zu helfen. Neue Lebensperspektiven in der Heimat der Zuwanderer sind das beste Mittel gegen Massenmigration. Zusammen mit Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller fordere ich schon lange einen „Afrikapakt“ der Europäischen Union. Im Mittelpunkt stehen faire Entwicklungschancen für diese Länder. Gerechtigkeit und Solidarität durch die Förderung von Zukunftschancen für die jungen Generationen in Afrika: Das ist unsere große Zukunftsaufgabe.

Für mich steht fest: Wir müssen so vielen Menschen wie irgend möglich vor Ort ein Leben in Sicherheit und Würde ermöglichen. Wir müssen ihnen Chancen und Zukunftsperspektiven in ihrer Heimat eröffnen und sie vor den Strapazen und Gefahren einer Flucht nach Europa bewahren – das ist für mich christlich-soziale Flüchtlingspolitik.

Die Bilder von übervollen Flüchtlingsbooten und vielen Toten im Mittelmeer sind für uns, für jeden Christen unerträglich. Wir müssen den Schleppern das Handwerk legen und die Fluchtursachen bekämpfen. Das ist für mich ein Gebot der Nächstenliebe. Hier müsste sich Europa als Wertegemeinschaft beweisen.

Die Bayerische Staatsregierung hat letztes Jahr ein eigenes Sonderprogramm zur Schaffung von „Perspektiven für Flüchtlinge in ihren Heimatländern“ beschlossen. Wir fördern im Senegal, Nordirak, Libanon und in Tunesien Projekte im Gesamtumfang von 20 Millionen Euro.

Vor allem die schulische und berufliche Bildung sowie eine gesicherte Gesundheitsversorgung sind entscheidend. Die Menschen brauchen nicht nur Nahrung, Unterkunft und Kleidung, sondern vor allem auch Zugang zu Bildung und Ausbildung.

Eminenz,

hochverehrter Herr Kardinal Marx,

ich danke der Katholischen Kirche für Ihre Vorreiterrolle bei der Entwicklungshilfe. Die christlichen Kirchen machen uns seit Jahrzehnten erfolgreich vor, wie gute Hilfe vor Ort aussieht: Wir müssen die Christliche Soziallehre ernst nehmen und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Und wir müssen den Menschen in Entwicklungsländern auf Augenhöhe begegnen und mit ihnen gemeinsam Lösungen finden für ein besseres Leben in ihrer Heimat.

Ihr Vorbild ist uns Ansporn und Ihr Rat mir stets willkommen. Vergelt’s Gott für unser vertrauensvolles Miteinander bei der Lösung der großen gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit!

- Anrede -

Wir leben in einer Welt der Unsicherheit. Alte Gewissheiten sind erschüttert, die Wertegemeinschaft des Westens in Frage gestellt. Jede Generation in den vergangenen 100 Jahren hatte ihre eigenen Aufgaben. Die Caritas hat sich diesen Aufgaben stets gestellt – im Dienst für den Menschen, im Dienst der christlichen Nächstenliebe.

Auf weitere 100 Jahre Caritas Bayern! Für die Menschen in unserem Land! Ihnen allen ein schönes Jubiläumsfest! Vergelt’s Gott und Gottes Segen!



KONTAKT

Zur Facebook-Seite von Bayern
Zum YouTube-Channel von Bayern Zur Google-Plus-Seite von Bayern
Zu Bayern Direkt
089-12 22 20
Ministerpräsident Horst Seehofer: „Die Caritas besitzt eine kraftvolle und unbeirrbare Stimme in allen sozialen Fragen. So können wir gemeinsam im Dialog die besten Lösungen für die Menschen erreichen. Gemeinsam haben wir um Verbesserungen für Menschen mit Behinderung gerungen, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.“ © Photo Thomas Klinger

100 Jahre Deutscher Caritasverband - Landesverband Bayern e.V. Foto-Icon

Seite drucken
Seite empfehlen
Link kopieren
Vollbildansicht

100 Jahre Deutscher Caritasverband - Landesverband Bayern e.V.

Ministerpräsident Horst Seehofer hat am 21. Juni 2017 am Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Landesverbandes Bayern des Deutschen Caritasverbandes in der Jugendkirche im Kirchlichen Zentrum Haidhausen in München teilgenommen. Er bedankte sich für die herausragenden Leistungen der 90.000 hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer: „Caritas ist gelebte Menschlichkeit. Und eine starke bayerische Caritas garantiert auch eine starke Nächstenliebe. Das ist der Verdienst der vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich Tag für Tag mit Leidenschaft und selbstlosem Engagement für den menschlichen Kern unserer Heimat einsetzen. Dafür ein herzliches Vergelt’s Gott. Die Caritas ist das mitmenschliche Gesicht unserer Gesellschaft, Retter und Engel in der Not.“ Zur Pressemitteilung und zur Rede.

Zurück blättern
  • Foto 1 von 5
    Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, zelebriert einen Gottesdienst zum 100-jährigen Bestehen des Landes-Caritasverbands Bayern in der Pfarrkirche St. Johann Baptist. © Photo Thomas Klinger
    Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, zelebriert einen Gottesdienst zum 100-jährigen Bestehen des Landes-Caritasverbands Bayern in der Pfarrkirche St. Johann Baptist. © Photo Thomas Klinger
  • Foto 2 von 5
    Ministerpräsident Horst Seehofer: „Die Caritas besitzt eine kraftvolle und unbeirrbare Stimme in allen sozialen Fragen. So können wir gemeinsam im Dialog die besten Lösungen für die Menschen erreichen. Gemeinsam haben wir um Verbesserungen für Menschen mit Behinderung gerungen, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.“ © Photo Thomas Klinger
    Ministerpräsident Horst Seehofer: „Die Caritas besitzt eine kraftvolle und unbeirrbare Stimme in allen sozialen Fragen. So können wir gemeinsam im Dialog die besten Lösungen für die Menschen erreichen. Gemeinsam haben wir um Verbesserungen für Menschen mit Behinderung gerungen, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.“ © Photo Thomas Klinger
  • Foto 3 von 5
    Gruppenbild: Ministerpräsident Horst Seehofer, der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, der Landes-Caritasdirektor in Bayern, Prälat Bernhard Piendl und der der Präsident des Deutschen Caritas-Verbands, Peter Neher (v.l.n.r.). © Thomas Klinger
    Gruppenbild: Ministerpräsident Horst Seehofer, der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, der Landes-Caritasdirektor in Bayern, Prälat Bernhard Piendl und der der Präsident des Deutschen Caritas-Verbands, Peter Neher (v.l.n.r.). © Photo Thomas Klinger
  • Foto 4 von 5
    Im Gespräch: Ministerpräsident Horst Seehofer (links) und der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx (rechts). © Photo Thomas Klinger
    Im Gespräch: Ministerpräsident Horst Seehofer (links) und der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx (rechts). © Photo Thomas Klinger
  • Foto 5 von 5
    Ministerpräsident Horst Seehofer (links) mit dem Landes-Caritasdirektor in Bayern, Prälat Bernhard Piendl (rechts). © Photo Thomas Klinger
    Ministerpräsident Horst Seehofer (links) mit dem Landes-Caritasdirektor in Bayern, Prälat Bernhard Piendl (rechts). © Photo Thomas Klinger
Weiter blättern