Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse- Tool Piwik. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Hinweis schliessen
 

Metanavigation - Service-Menue

Suche

A   A   A
Reden (Staatskanzlei)

Feierliche Hommage für Dr. h.c. Max Mannheimer

Datum der Rede: 23. Oktober 2016
Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer
Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

- Anrede -

Wir erinnern uns heute an Max Mannheimer – einen unermüdlichen Mahner, großen Versöhner und – ich darf persönlich hinzufügen: einen beeindruckenden Menschen.

Jede Begegnung mit ihm war ein Gewinn für mich. Ich habe Max Mannheimer als wertvollen Gesprächspartner und einzigartige Persönlichkeit kennengelernt. Seine Herzenswärme und sein unerschütterlicher Optimismus haben Mut gemacht und Zuversicht geschenkt.

Für mich unvergesslich ist unsere Israelreise im Jahr 2012. Max Mannheimer war – ebenso wie Sie, sehr verehrte Frau Präsidentin Knobloch – ein für mich unverzichtbarer Begleiter. Ich werde für immer dankbar sein für diese Reise.

Ein tief berührender Moment, ein Moment großer Freude war es, als ich ihm das Große Verdienstkreuz mit Stern für seine Lebensleistung überreichen durfte. Ein Akt der höchsten Anerkennung unseres Staates, aber für mich vor allem eine Herzensangelegenheit.

Sein Tod ist ein schmerzlicher Verlust. Er fehlt mir, er fehlt uns allen.

Max Mannheimer war ein „Wunder an Menschlichkeit“. So haben Sie, verehrte Frau Präsidentin Knobloch, den Verstorbenen in Ihrer Trauerrede ebenso treffend wie achtungsvoll beschrieben.

Über Jahre haben die Nationalsozialisten, haben Deutsche Max Mannheimer ausgebeutet, gedemütigt, gequält. Seine Eltern, seine junge Frau, Schwester und Bruder: ermordet von den braunen Barbaren. Max Mannheimer musste in die Abgründe von Hass, Gewalt und Menschenverachtung blicken. Er hätte allen Grund gehabt zu Verbitterung, zu Abscheu und Feindseligkeit.

Stattdessen hat Max Mannheimer Brücken gebaut, er hat dem „Land der Täter“ sein Herz geöffnet, uns allen die Hand zur Versöhnung gereicht.

„Ich kann nicht hassen“, hat er einmal gesagt – ein Vorbild für Güte, ein wahres „Wunder an Menschlichkeit“.

Max Mannheimer hat das Unfassbare in Worte gekleidet, unzähligen namenlosen Opfern eine Stime verliehen – gegen das Vergessen, für die Hoffnung auf eine menschliche Zukunft.

Ich kann nicht ermessen, wie viel Kraft ihn das gekostet hat. Ich kann ihm nur unendlich dankbar sein – als Politiker, als Deutscher, als Mensch.

Als Überlebender des Holocaust hat Max Mannheimer die Botschaft der Versöhnung und Humanität weitergegeben an die nächste Generation – ein unschätzbarer Beitrag für Freiheit und Demokratie in unserem Land.

Mit seiner persönlichen Geschichte, mit seiner besonderen ruhigen und doch eindringlichen Stimme hat Max Mannheimer die Herzen zahlloser junger Menschen geöffnet und berührt. Sein Lebenswerk wird bleiben und weiter wirken. Die jungen Menschen werden später als Eltern ihren Kindern davon erzählen und diese dann den Enkeln. Das Echo seiner Worte wird nicht verhallen.

„Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“

Dieser Satz ist uns allen Auftrag und Verpflichtung – heute und in Zukunft. Unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, Bayerns „fünfter Stamm“, sind ein wertvoller und unverzichtbarer Teil unseres Landes.

Jede Form von Antisemitismus verurteilen wir aufs Schärfste. Hass und rechtsextreme Gewalt haben in unserem Land keinen Millimeter Platz!

Der blinde, menschenverachtende Hass hört nicht auf. Jede Generation hat ihre eigene Aufgabe, unsere wehrhafte Demokratie zu stärken. Aber wenn wir als Demokraten zusammen halten, wenn unser gemeinsamer Wille, wenn unsere wehrhafte Solidarität und wenn unsere Kraft zur Gegenwehr stark bleiben, dann wird der Hass nicht gewinnen.

Der Tod des jungen Polizisten vor wenigen Tagen hat uns fassungslos gemacht. Der Angriff eines Rechtsextremen war ein Angriff auf unsere gemeinsamen Werte, auf Mitmenschlichkeit und Toleranz. Ein Angriff auf all das, wofür Max Mannheimer sein Leben lang eingetreten ist. Ein Angriff auf uns alle.

Als Bayerischer Ministerpräsident und ganz persönlich versichere ich: Wir treten Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Menschenverachtung entschlossen und mit aller Kraft entgegen. Das sind wir Max Mannheimer schuldig, das sind wir allen Opfern schuldig. Das ist unsere bleibende Verantwortung.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte Sie alle:

Tragen wir das Erbe Max Mannheimers und seinen unerschütterlichen Glauben an die Menschlichkeit in die Zukunft!

Halten wir die Erinnerung wach! Reichen wir das Feuer der Humanität weiter!

Machen wir uns stark für ein friedliches, tolerantes und mitmenschliches Zusammenleben! Nichts davon ist selbstverständlich! Alles, was uns wertvoll ist, muss von jeder Generation aufs Neue mit Leben erfüllt, verteidigt und an die junge Generation weitergegeben werden.

Max Mannheimer hat uns allen ins Herz geschrieben: Der Vernichtungswille ist gescheitert. Die Menschlichkeit hat gesiegt. Für diese Botschaft der Hoffnung steht sein Leben. Dafür steht sein Lebensmut trotz des bittersten Verlusts seiner Liebsten. Dafür steht die menschliche Größe von Max Mannheimer, vor der wir uns nur in Demut verneigen können.

Ich bin dankbar für das Glück, Max Mannheimer begegnet zu sein. Wir werden ihn nie vergessen.