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Reden (Staatskanzlei)

Eröffnung der Ausstellung „FürstenMacht & wahrer Glaube“

Datum der Rede: 14. Juli 2017
Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer
Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

- Anrede -

Goethe hat einmal gesagt:

„Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt.“

Im Luther-Jahr spüren wir alle die Bedeutung unserer Geschichte für die Gegenwart. Gemeinsam eröffnen wir heute einen weiteren Meilenstein in unserem Reformationsjubiläum. Eine großartige Gelegenheit zur Selbstvergewisserung. Grüß Gott in Neuburg an der Donau! Als Schirmherr heiße ich Sie herzlich willkommen zur Ausstellung „FürstenMacht & wahrer Glaube“!  Ein neues Juwel für den Kulturstaat Bayern – nicht nur für Geschichtsliebhaber.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Reformation und Gegenreformation – mit der heutigen Ausstellung erinnern wir uns an eine andere Welt: Zur Reformationszeit war unser Land tief gespalten. Zwischen Katholiken und Protestanten herrschte Hass und Gewalt. In den konfessionellen Kriegen haben unzählige Menschen ihr Leben verloren.

Das zeigt uns: Das Glück unserer Gegenwart, der Friede zwischen den Konfessionen und das Miteinander in unserem Land sind keineswegs selbstverständlich.

Hochverehrte Geistlichkeit,

Streit und Krieg zwischen Katholiken und Protestanten gibt es heute Gott sei Dank nur noch in den Geschichtsbüchern. 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers feiern wir heute gemeinsam unsere Geschichte – Protestanten und Katholiken zusammen. Ein schönes Zeichen für die gelebte Ökumene bei uns in Bayern.

Gläubige Protestanten und Katholiken arbeiten gerade vor Ort eng zusammen – wie hier bei Ihnen in Neuburg an der Donau. Dieses ökumenische Miteinander ist ein großes Geschenk für die Menschen in unserem Land. Die religiöse Freundschaft zwischen den christlichen Konfessionen ist ein festes Fundament für Frieden und Solidarität in unserem Land. Für diesen Zusammenhalt bin ich dankbar. Vergelt´s Gott dafür!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Dank der Ausstellung Ihrer Stadt können wir uns die Bedeutung von Miteinander und Freundschaft zwischen Katholiken und Protestanten wieder bewusst machen. Mit Unterstützung des Freistaats haben Sie und Ihr Stadtmuseum Großartiges geleistet. Sie haben kostbare Exponate zusammengetragen und im Wortsinn den Durchbruch geschafft.

Ich freue mich, dass wir heute zwischen Hofkirche und Schloss gemeinsam durch den Fürstengang gehen. Wie einst die großen Herrscher wandeln jetzt die Ausstellungsbesucher durch diesen Gang – und beginnen so ihre Reise ins konfessionelle Zeitalter. Wir alle werden uns selbst überzeugen können: Hier auf Schloss Neuburg atmet jeder Stein die Geschichte der Reformation.

Ihnen und all Ihren Unterstützern meinen herzlichen Dank für Ihren Einsatz und Ihr Herzblut. Mit Ihrer Ausstellung bringen Sie den Kulturstaat Bayern zum Strahlen!

Sehr geehrter Herr Thiele,

sehr geehrter Herr Dr. Teichmann,

Vergelt´s Gott sage ich auch Ihnen und Ihren Mitarbeitern. Sie machen die Zeit der Reformation lebendig. Sie erzählen das Leben und auch das Leiden der Menschen – entführen uns in die Welt mächtiger Fürsten und erbitterter Glaubenskriege.

Dabei setzen Sie Maßstäbe: außergewöhnliche Ideen, kreative Lösungen, kraftvolle Botschaften. Wir alle freuen uns auf eine Sternstunde der Ausstellungskunst. Respekt und Anerkennung für diese herausragende Leistung!

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit der Ausstellung „FürstenMacht & wahrer Glaube“ tauchen wir ein in eine Epoche des Umbruchs.

Innovative Medien wie Buchdruck oder Flugschriften bringen neue Ideen unter die Leute. Wissen wird erstmals für große Bevölkerungsteile verfügbar. Die Kommunikation erreicht eine bis dahin ungeahnte Geschwindigkeit. Jahrhundertealte Gewissheiten geraten ins Wanken. Die Welt verändert sich mit einer Dynamik und Radikalität, wie die Generationen zuvor es sich niemals hätten vorstellen können.

Auch heute verändern neue Medien unser Leben so stark, dass namhafte Wissenschaftler zu Recht von der größten Revolution seit der Erfindung des Buchdrucks sprechen:

  • Nehmen wir zum Beispiel den „ChatBot Credo”. Er beantwortet uns Ausstellungsbesuchern alle Fragen. Wie vor 500 Jahren geht Wissen auch heute völlig neue Wege.
  • Heute verbreiten sich Nachrichten viel schneller als noch ein, zwei Generationen zuvor. China, USA und Indien sind nur einen Mausklick von uns entfernt.
  • Manche Meldungen in den sozialen Netzwerken sind heute wie die Flugschriften der Reformationszeit: mehr Propaganda als seriöse Berichterstattung.
  • Und auch in der Arbeit erleben wir gravierende Veränderungen. Die Kooperation von Mensch und Maschine ist heute zunehmend Realität. In der Arbeitswelt von morgen werden darum noch mehr Berufe als heute beste IT-Kenntnisse erfordern. Auch Ausstellungsmacher sind da nicht ausgenommen.

Für diesen Wandel müssen wir unser Land rüsten. Wir müssen heute die Voraussetzungen schaffen, damit Bayern auch im digitalen Zeitalter fit für die Zukunft bleibt. Denn die Erfolgsgeschichte der Reformation zeigt: Nur wer den Fortschritt nutzt, wer Mut zu Neuem hat, der schafft Vorteile und Chancen.

Deshalb haben wir ein großes Ziel: Bayern soll beim digitalen Aufbruch an der Weltspitze des Fortschritts marschieren. Für dieses Ziel gehen wir mit Highspeed in die Zukunft.

Erst letzte Woche habe ich zum digitalen Aufbruch eine Regierungserklärung im Bayerischen Landtag gehalten. Unsere Strategie lautet BAYERN DIGITAL. Wir wollen, dass in Bayern alle Bürger rasch und unkompliziert Wissen abrufen und in sozialen Netzwerken miteinander kommunizieren können.

Schon Luther hat vor 500 Jahren dafür gekämpft, dass Menschen Zugang zu Wissen haben. Und zwar auf Deutsch, nicht in der Reichssprache Latein. Selber wissen statt alles glauben – das war seine Devise. Für den Reformator war Bildung ein Herzensanliegen. Sein Ziel: der mündige Mensch.

Lesen und Schreiben lernen ist bei uns heute Gott sei Dank von der ersten Klasse an Standard. Aber in unserer veränderten Welt gibt es neue Kompetenzen, die wir unseren jungen Leuten mit auf den Weg geben müssen.

Deshalb haben wir in Bayern ein milliardenschweres Bildungspaket auf den Weg gebracht. Unter anderem stärken wir an unseren Schulen die Medienkompetenz und politische Bildung. Im Zeitalter von Wikipedia müssen unsere Schülerinnen und Schüler wissen, welche Fakten verlässlich und welche Quellen vertrauenswürdig sind. Sie müssen erfahren, welchen Wert Demokratie und Freiheit haben. Damit unser Nachwuchs auch in Zukunft das beste Rüstzeug für ein erfülltes und erfolgreiches Leben hat.

Und wir setzen neue Maßstäbe bei der digitalen Bildung. Wir machen Informatik zum Pflichtfach an allen Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien. Das „digitale Klassenzimmer“ soll in Bayern Realität werden. Wir tun alles dafür, dass unsere Kinder und Jugendlichen sich die digitale Welt selbstständig erschließen und ihre Möglichkeiten nutzen können. Damit sie mündige und selbstbestimmte Bürger werden – ganz im Sinne Luthers.

Sehr geehrte Damen und Herren,

moderne Medien nutzen, Wissen allen zugänglich machen, unser Land voranbringen – das waren die Ziele von Luther und seinen Unterstützern. Ich bitte Sie deshalb: Tragen wir diesen Aufbruchsgeist der Reformation gemeinsam in die Zukunft.

Begreifen wir unsere digitale Welt nicht als Gefahr, sondern als große Chance. Machen wir den Menschen keine Angst vor der Zukunft, sondern befähigen wir sie zur Zukunft! Damit auch unsere Kinder und Enkel noch sagen können: Es ist ein Glück in Bayern zu leben, in unserer lebens- und liebenswerten Heimat.

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Ausstellung führt uns vor Augen: Friedliches Miteinander von Konfession und Religion ist ein Auftrag an uns alle. Mit aller Kraft müssen wir selbst jeden Tag für Toleranz und Mitmenschlichkeit eintreten. Nur dann wird die Welt eine bessere.

In diesem Sinne freue ich mich jetzt mit Ihnen gemeinsam auf eine großartige Ausstellung. Ich wünsche „FürstenMacht & wahrer Glaube“ viel Erfolg und zahlreiche Besucher von Nah und Fern. Neuburg an der Donau ist immer eine Reise wert – jetzt erst recht!