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Reden (Staatskanzlei)

Bayerischer Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung

Datum der Rede: 25. Juni 2017
Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer
Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

Ich begrüße Sie zum vierten Bayerischen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung. Wir erinnern uns heute an Millionen Männer, Frauen und Kinder aus den deutschen Ostgebieten, die ihr Eigentum, ihre Heimat, ihr Leben verloren haben. Wir denken an schreckliche Schicksale, großes Leid und bleibende Wunden.

Und gleichzeitig bekennen wir uns zu Frieden, Freiheit und Demokratie. Wir senden die in die Zukunft gerichtete Botschaft von Ausgleich, Völkerverständigung und Versöhnung.

Dafür steht unser Bayerischer Gedenktag: Verantwortung aus der Geschichte, Kraft zur Zukunft, Mut zur Wahrheit.

Von der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, die heute ihren 91. Geburtstag gefeiert hätte, stammt der Satz:

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

Zur Wahrheit gehört: Die Vertreibung der Deutschen aus ihrer angestammten Heimat im Osten war und bleibt vor der Geschichte ein großes und schweres Unrecht, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit!

Die Botschaft aus der Vergangenheit lautet: Vertreibungen sind Unrecht – damals wie heute. Wir müssen Vertreibungen weltweit ächten!

Und wir haben die Pflicht, laut „Nein“ zu sagen – gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, gegen jede Form von Unrecht und Gewalt.

Dieses Bekenntnis sind wir den vertriebenen Deutschen schuldig. Ihr Schicksal und ihre Lebensleistung sind Auftrag und Erbe für die Zukunft.

Zur Wahrheit gehört auch: Die deutschen Heimatvertriebenen waren und sind Pioniere der Zukunft in Bayern. Nach Kriegsende standen sie buchstäblich vor dem Nichts: zufällig gestrandet, keine Arbeit, keine Wohnung, der Heimat beraubt. Doch sie haben nicht gejammert und zuallererst nach Vater Staat gerufen. Mit härtester Arbeit und äußerster Disziplin haben sie sich eine neue Existenz geschaffen, neuen Wohlstand, eine neue Heimat.

Unsere jungen Leute können von den deutschen Heimatvertriebenen lernen, was Fleiß, Ideenreichtum und Mut bewirken können. Welche Kraft eine starke Identität und feste Werte entfalten. Wie wir aus eigener Anstrengung eine erfolgreiche Zukunft gestalten können.

Das Beispiel der Vertriebenen zeigt: Unsere Zukunft beruht auf Werten und kultureller Identität. Heimat ist mehr als Lohn und Brot. Heimat braucht Zusammenhalt und Selbstvertrauen.

In den Landsmannschaften haben sich die deutschen Heimatvertriebenen ein neues Gemeinschaftsleben geschaffen – nicht in Abgrenzung, sondern zusammen mit den Einheimischen. Und sie haben vorgelebt: Im Dialog der Kulturen entsteht Vertrauen. Trotz ihres Leids, trotz ihres ungeheuren Verlusts haben sie früh Versöhnung gesucht.

Seit vielen Jahren pflegen sie den Dialog und halten Kontakt mit ihrer alten Heimat. Sie bauen menschliche Brücken und überwinden alte Gräben in den Köpfen und Herzen.

Lieber Christian Knauer,

seit 60 Jahren macht sich der BdV stark „für Menschenrechte, Heimat und Verständigung“. Ihr seid Vertrauensarbeiter und die kraftvolle Stimme der deutschen Heimatvertriebenen – sachorientiert, dialogbereit und argumentationsstark.

Mit klaren Worten und Mut zur Wahrheit setzt Ihr Euch ein für Erinnerung und Verständigung. Heimat bewahren, Zukunft gestalten – das war und ist Euer Credo. Nur wer den Wert seiner eigenen Kultur kennt, ist zu Toleranz fähig und kann die Welt auch mit den Augen des Anderen sehen. Eine starke Identität ist die beste Prävention gegen aggressive Abgrenzung und nationalistische Überhöhung.

Für diese Haltung spreche ich Dir und dem gesamten BdV meinen Dank und meine Anerkennung aus. Vergelt’s Gott für Euren jahrzehntelangen Einsatz für die Interessen der deutschen Heimatvertriebenen und die Verständigung in Europa!

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Bayern sind wir stolz auf unsere Traditionen, auf unsere Geschichte und Kultur. Wir sind uns bewusst, welche Leitwerte und Ideen unser Land, unsere Identität geprägt haben. Und ich sage ausdrücklich: Die deutschen Heimatvertriebenen und Spätaussiedler sind ein starker Pfeiler dieser Leitkultur!

Was wären wir in Bayern ohne die Leistungen der Vertriebenen! Wir sind dankbar für den Leistungswillen, die Ideen, die Schaffenskraft der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler. Mit der Übernahme der Schirmherrschaft über die sudetendeutsche Volksgruppe und die Patenschaft über die Landsmannschaft Ostpreußen bekunden wir unsere besondere Verbundenheit.

Und wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst. Wir haben im Bund für die Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter gekämpft und uns eingesetzt für einen nationalen Gedenktag gegen Vertreibung. Mit unserem Bayerischen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung haben wir den Stein ins Rollen gebracht. Und unser beharrlicher Einsatz hat sich gelohnt. Mit beiden Forderungen waren wir erfolgreich.

Die Unterstützung für die Heimatvertriebenen ist uns in Bayern ein echtes Herzensanliegen. Wir haben deshalb die Mittel für die Vertriebenenarbeit in diesem Jahr um fast 75 Prozent erhöht und werden im nächsten Jahr nochmals mehr Geld zur Verfügung stellen – für die Arbeit der Vertriebenenverbände, für den Erhalt von Tradition und Kultur der Heimatvertriebenen. Bayern ist und bleibt ein starker Partner für die deutschen Heimatvertriebenen.

Das gilt auch für die Spätaussiedler, die in den 90er-Jahren nach Deutschland gekommen sind. Sie haben ihre soziale Sicherung in den Heimatgebieten verloren. Mit Rücksicht auf das niedrigere Lohnniveau im Osten mussten sie auch in unserem Land deutliche Kürzungen ihrer Rentenansprüche hinnehmen. Viele sind heute von Altersarmut bedroht.

Inzwischen ist die Deutsche Einheit für die Rentnerinnen und Rentner im Osten vollendet. Die aktuellen Rentenwerte werden angeglichen. Dadurch entstehen neue Ungleichgewichte, diesmal zum Nachteil der Vertriebenen und Spätaussiedler. Ich sage: Wir müssen die rentenrechtliche Behandlung von Spätaussiedlern jetzt neu bewerten! Das ist für mich eine Frage der Gerechtigkeit und ein Zeichen gelebter Solidarität.

Bayern hat deshalb einen Landesantrag in den Bundesrat eingebracht. Leider sind uns die anderen Länder nicht mehrheitlich gefolgt. Noch nicht. Ich verspreche Ihnen: Wir bleiben da dran – mit unserer bekannten bayerischen Hartnäckigkeit und Überzeugungskraft! Auf mich können Sie zählen! Wir wollen der Lebensleistung der Vertriebenen und Spätaussiedler gerecht werden!

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Heimatvertriebenen und Spätaussiedler haben maßgeblich zur bayerischen Erfolgsgeschichte beigetragen. Sie haben von Anfang an Zukunft gestaltet. Und sie gestalten auch heute die Zukunft Bayerns, Deutschlands und Europas. Der große Europäer Helmut Kohl, der vor wenigen Tagen verstorben ist, hat einmal gesagt:

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.“

Gerade die Heimatvertriebenen wissen: Zukunft braucht Heimat. Zukunft braucht Erinnerung.

Ich bitte Sie deshalb: Behalten wir die Erinnerung wach und die Heimat im Herzen!

Geben wir unsere Werte, unseren Erfahrungsschatz, unsere Traditionen weiter an die nachfolgenden Generationen!

Machen wir uns stark für Versöhnung und Verständigung zwischen den Völkern!

Arbeiten wir weiter gemeinsam für eine gute Zukunft, für Frieden, Freiheit und Freundschaft in Europa!

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien alles Gute und Gottes Segen.



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Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, Ministerpräsident Horst Seehofer, MdL Hubert Aiwanger und der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Landrat a.D. Christian Knauer (v.l.n.r.) vor der Gedenktafel für die Opfer von Flucht und Vertreibung.

Bayerischer Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung 2017 Foto-Icon

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Bayerischer Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung 2017

Ministerpräsident Horst Seehofer hat beim Festakt zum Bayerischen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung am 25. Juni 2017 in München die Aufbauleistung der Vertriebenen und ihren Einsatz für Frieden und Aussöhnung hervorgehoben. Seehofer: „Bayern gedenkt des menschlichen Leids, das durch Flucht und Vertreibung über so viele Menschen gekommen ist, und das in einer von Konflikten zerrissenen Welt noch immer so viele Menschen trifft. Zugleich erinnern wir an die große Leistung der deutschen Heimatvertriebenen, die in Bayern nach dem Krieg beherzt mit angepackt und ihre neue Heimat Bayern mit aufgebaut haben.“ Zur Pressemitteilung und zur Rede.

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    Ministerpräsident Horst Seehofer (links) und der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Landrat a.D. Christian Knauer (rechts).
    Ministerpräsident Horst Seehofer (links) und der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Landrat a.D. Christian Knauer (rechts).
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    Die Gebinde des Bayerischen Ministerpräsidenten (Mitte), des Bundes der Vertriebenen (links) und der Fraktionen im Bayerischen Landtag (rechts).
    Die Gebinde des Bayerischen Ministerpräsidenten (Mitte), des Bundes der Vertriebenen (links) und der Fraktionen im Bayerischen Landtag (rechts).
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    Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, Ministerpräsident Horst Seehofer, MdL Hubert Aiwanger und der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Landrat a.D. Christian Knauer (v.l.n.r.) vor der Gedenktafel für die Opfer von Flucht und Vertreibung.
    Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, Ministerpräsident Horst Seehofer, MdL Hubert Aiwanger und der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Landrat a.D. Christian Knauer (v.l.n.r.) vor der Gedenktafel für die Opfer von Flucht und Vertreibung.
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    Bürgerinnen und Bürger konnten am Gedenktag in der Staatskanzlei u.a. die Original Banater Dorfmusikanten miterleben.
    Bürgerinnen und Bürger konnten am Gedenktag in der Staatskanzlei u.a. die Original Banater Dorfmusikanten miterleben.
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    Auch Tanzgruppen sorgten für Unterhaltung mit ihren Tanzvorführungen.
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    Abmarsch zum Festakt in der Allerheiligen-Hofkirche in der Münchner Residenz.
    Abmarsch zum Festakt in der Allerheiligen-Hofkirche in der Münchner Residenz.
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    Ministerpräsident Horst Seehofer: „Ihr Einsatz für Ausgleich und Versöhnung mit unseren östlichen Nachbarn, für Völkerverständigung, Frieden und Freiheit in einem vereinten Europa kann nicht hoch genug geschätzt werden. Dieses Werk müssen wir fortführen, diese Werte müssen wir weitergeben an die kommenden Generationen.“
    Ministerpräsident Horst Seehofer: „Ihr Einsatz für Ausgleich und Versöhnung mit unseren östlichen Nachbarn, für Völkerverständigung, Frieden und Freiheit in einem vereinten Europa kann nicht hoch genug geschätzt werden. Dieses Werk müssen wir fortführen, diese Werte müssen wir weitergeben an die kommenden Generationen.“
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    Junge Menschen in traditioneller Tracht bei der Gedenkveranstaltung.
    Junge Menschen in traditioneller Tracht bei der Gedenkveranstaltung.
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    Der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Landrat a.D. Christian Knauer bei seiner Rede.
    Der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Landrat a.D. Christian Knauer bei seiner Rede.
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    Ministerpräsident Seehofer nahm den Gedenktag außerdem zum Anlass, sich erneut für eine Gleichbehandlung von Spätaussiedlern bei der Rentenanpassung einzusetzen.
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    Gruppenbild: Ministerpräsident Horst Seehofer und der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Landrat a.D. Christian Knauer (beide Mitte) mit Gästen beim Festakt.
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    Zahlreiche Gäste sind zum Festakt in die Allerheiligen-Hofkirche in der Münchner Residenz gekommen.
    Zahlreiche Gäste sind zum Festakt in die Allerheiligen-Hofkirche in der Münchner Residenz gekommen.
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